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Steueroasen

Bereits die Wortschöpfung Steueroasen zeugt von einem gewissen Sprachwitz. Das negativ besetzte Wort "Steuer" mit dem äußerst positiv besetzten Wort "Oase" zu verbinden, suggeriert Leben und ein sprudelndes Quell in der Steuerwüste. Für den Anleger bedeutet dies den Versuch des Vermögenstransfers in Staaten, die als Niedrigsteuergebiete erheblich geringere Steuersätze aufweisen als die Bundesrepublik Deutschland. Grundsätzlich zeichnen sich Steueroasen mit attraktiven Steuersätzen, einem strikten Bankgeheimnis, einem fehlenden Doppelbesteuerungsabkommen mit Deutschland sowie einem freien Devisenmarkt aus.

Wann ein Land als Steueroase zu bezeichnen ist, wird unterschiedlich beurteilt. Nach der OECD wurde im Jahre 2002 eine Liste erstellt, die von A wie Andorra, bis Z wie Zypern mehr als 30 Staaten an den Pranger stellte. Die OECD unterteilte in der Folgezeit nunmehr Staaten auf einer schwarzen Liste für die Staaten, die sich nicht den internationalen Steuerstandards unterworfen haben und Steueroasen auf einer grauen Liste, die sich weitgehend dem internationalen Steuerstandard unterworfen haben, diesen jedoch aus welchen Gründen auch immer noch nicht umgesetzt haben. Im September 2009 wurden von der OECD Österreich, Belgien, Luxemburg, die Schweiz, Monaco, San Marino, Aruba, Bermuda, die Virgin Islands, die Cayman Islands sowie die Niederländischen Antillen von der grauen Liste gestrichen und auf die weiße Liste gesetzt.

Nichtregierungsorganisationen (NGO) kritisieren die Einteilungssystematik der OECD. So wird angeführt, dass beispielsweise die britischen Kanalinseln trotz ihrer Trust-Gesetzgebung zu bekannten Plätzen der internationalen Geldwäscherei gehören würden. Ein Indiz dafür sei die Möglichkeit, anonym eine Firma zu gründen, was im Internet auch offensiv beworben werde, wobei Großbritannien, Spanien oder Panama und immer noch die Niederländischen Antillen und ebenso andere Karibikstaaten empfohlen werden.

Nach einer Studie des Tax Justice Network von 2012 würden Superreiche einen großen Teil ihres Vermögens in Steueroasen unterbringen. Eine konservative Schätzung gehe dabei davon aus, dass ca. 21 Billionen US-Dollar in Steueroasen angelegt seien.